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Thomas Hartmann (*1950)

Bevor der Berliner Maler Thomas Hartmann künstlerisch zu schaffen beginnt, stellt er in sich, durch notwendige Fleißarbeit, einen Zustand der Leere her: Leinwände sind zu grundieren, Rahmen zu bauen, das Atelier ist aufzuräumen. Der erste Strich dann setzt einen Prozess in Gang, der einer inneren Notwendigkeit folgt. Schicht um Schicht bauen sich die Malereien auf. Farben liegen verdichtet übereinander oder werden zurückgedrängt und Strukturen entwickeln sich aus einer zwingenden Bildlogik. Hartmanns Arbeiten wirken wie aus dem Zufall entstanden und sind doch auf den Punkt gebracht.

Ein schönes Beispiel dafür ist die „Frau mit Schleier“. In ein Oval von diffuser Kontur, setzt er ein Gesicht in das Zentrum des Blattes, drängt dieses dann durch eine helle Farbschicht zurück, verunklart es und lässt darüber pastose weiße Farbspuren verlaufen. Die Augen der Figur liegen frei – eine verschleierte Frau – magisch und irritierend. Das, was das Blatt zu einem besonderen innerhalb seines Schaffens macht, ist die Konzentration auf den Gesichtsausschnitt und das völlige Fehlen von Lineaturen.

Immer ist es die fließende Grenzlinie zwischen Realem und Ungegenständlichen, die ungebändigte Freude am Experimentieren, das wache Einsetzen der vielfältigen malerischen Möglichkeiten, die Hartmanns Werke kennzeichnen und diese so eigenwillig und faszinierend machen. Er ist ein Meister seines Faches. „Als Bildjäger, der den Blick nicht abwendet oder durch Spezialisierung einengt, wirft er sein Netz über alles, was die Vielfalt des ihm Begegnenden zu bieten vermag.“ (Jürgen K. Hultenreich, 2004)

(Elke Pretzel)