art meets music
Eintritt: 10,00 Euro / ermäßigt: 5,00 Euro
Um Anmeldung wird gebeten unter Tel.: 0395 555-1290, E-Mail: kunstsammlung@neubrandenburg.de oder an der Kasse der Kunstsammlung Neubrandenburg
18.01.2026
15:00 Uhr
Kunstsammlung Neubrandenburg
Am 18. Januar erwartet Sie das „Duo sonore“ mit einem Kammerkonzert mit Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart und Johan Halvorsen in den Ausstellungsräumen der Kunstsammlung sowie der Uraufführung „Acht kantable Zwiegespräche für Violine und Viola“ (2025) des Komponisten Daniel Regener. Das Duo vereint die Bratschistin Hendrikje Meier und den Bratschisten Christoph Meier aus Neubrandenburg, die zwischen Orchestermusik, Kammermusik und pädagogischer Arbeit wirken. Das Duo widmet sich einem weit gefächerten Repertoire von Barock bis Unterhaltungsmusik. Der warme, charaktervolle Klang zweier Streichinstrumente prägt die unverwechselbare musikalische Handschrift.
Programm
Wolfgang Amadeus Mozart
1783
Duo B-Dur, KV 424
1. Adagio – Allegro
2. Andante cantabile
3. Tema con variazioni. Andante grazioso – Allegretto – Allegro
Seine beiden Duos für Violine und Viola schrieb Mozart bei seinem letzten Aufenthalt in seiner Heimatstadt. Im Sommer 1783 reiste er von Wien nach Salzburg, um seinem Vater endlich seine Ehefrau Constanze vorzustellen. Es war eine unterkühlte Begegnung, denn das Misstrauen gegen die „Weberische“ Schwiegertochter saß tief, sowohl beim alten Witwer Leopold als auch bei Mozarts Schwester Nannerl.
Kaum war Mozart in seiner Vaterstadt eingetroffen, als ihn sein alter Kollege Michael Haydn um einen Gefallen bat: Der Salzburger Domorganist und jüngere Bruder des berühmten Joseph Haydn hatte von Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo den Auftrag erhalten, sechs Duos für Geige und Bratsche zu schreiben – zum Plaisir des Geige spielenden Serenissimus. Nach dem vierten Stück versagte freilich Haydns Inspiration – vielleicht ertränkt im Alkohol, dem er allzu hemmungslos zusprach. Die Zeit drängte, also sprang Mozart kurzerhand ein und schrieb die beiden noch fehlenden Duos. Michael Haydn soll sie zeitlebens zum Andenken an diesen Freundesdienst besonders gehütet haben.
Für Mozart war die Notsituation des Freundes eine willkommene Gelegenheit, seinem verhassten ehemaligen Dienstherrn zwei eigene Werke unter dem Namen Michael Haydns unterzuschieben. Ob der Fürsterzbischof, der durchaus solide Geige spielte, den Unterschied bemerkte und den wahren Urheber der beiden Duos erriet? Schon die technischen Hürden dürften ihm unangenehm aufgestoßen sein, denn der aus Salzburg verstoßene Mozart kannte die geigerischen Stärken und Schwächen des Serenissimus genau, hatte Colloredo doch die Angewohnheit, im Hofkonzert Sinfonien am Pult der ersten Geige mitzustreichen.
Johan Halvorsen
1897
Sarabande con variazioni
Die virtuose „Sarabande con Variazioni“ frei nach Händel für Violine und Viola von Johan Halvorsen ist als Bravourstück aus den Konzertsälen nicht wegzudenken. Der norwegische Komponist, Dirigent und Violinist schrieb dieses Duo 1898 auf ein Thema von Georg Friedrich Händel. Händels Sarabande ist der dritte von vier Tänzen aus seiner vierten Suite in d-Moll, Händel-Werke-Verzeichnis (HWV) 437, die etwa 1705/07 wahrscheinlich während seiner Hamburger Zeit entstand. In gedruckter Form wurde sie 1733 in London bei dem Musikverleger John Walsh veröffentlicht. Komponiert ist die Sarabande für ein solistisches Cembalo. Es gibt Bearbeitungen für Orchester und verschiedene Einzelinstrumente. Eine düstere Orchesterfassung von Leonard Rosenman verwandte Stanley Kubrick als eine Art Trauermusik für seinen Film Barry Lyndon aus dem Jahr 1975.
Die Sarabande gehört mit ihrem ³/₂-Takt, wie die anderen vergleichbaren Stücken, dem älteren Typus an, der vor 1712 entstanden ist. Spätere Sarabanden setzte Händel im ³/₄-Takt; der Tanzsatz wurde also schneller. In der Musikforschung wird vermutet, dass Händels Cembalosuiten wohl nie zu einer Veröffentlichung gedacht waren, denn sein Thema war die unter kommerziellen Gesichtspunkten inszenierte Oper. Vielleicht dienten diese Suiten, und damit auch diese Sarabande, zunächst ihm selbst zur Übung, dem Unterricht oder der privaten Aufführung, vielleicht auch in improvisierten Variationen, auch als Anleitung für Freunde und seine drei Schülerinnen, Töchter des Königs Georg II.
KL. PAUSE / PAUSENGESPRÄCH
Daniel Regener
2025
Acht kantable Zwiegespräche (für Violine und Viola)
Uraufführung
Wenn zwei Instrumente miteinander musizieren, ist es immer eine Begegnung, ein Gespräch, ein Dialog. Ein Zwiegespräch. Kantabel bedeutet singend. Zwiegespräche, die singen wollen also. Die Duos durchloten jeweils in knapper Kürze verschiedene Stimmungswelten und folgen den Regeln eines Gesprächs. Das Erzählte wird Melodie und Vordergrund, das zuhörend Resonierende der Hintergrund. Reden und Zuhören wechseln sich ab, durchdringen sich, Fragen werden gestellt, Antworten gegeben, Sätze überlappen sich.
Warum aber singend? Weil sich im Singen die Seele des Menschen offenbart, unmittelbar. Die Gespräche finden im Rahmen der Tonalität statt. Die Erklärung ist simpel: Die Gesetze der funktionsharmonisch tonalen Tradition verhalten sich ziemlich ähnlich zu den Regeln einer gepflegten Unterhaltung. Die „Acht kantablen Zwiegespräche“ für Violine und Viola entstanden selbst aus dem Wunsch des Miteinander-Reden-Wollens zwischen einem Ehepaar, das sich auf musikalischer Ebene lange nicht mehr begegnet war.
Die Sehnsucht nach diesem instrumentalen Wieder-In-Kontakt-Tretens exponiert eine Seelenmelodie in der Violine gleich zu Beginn der Nummer 1, die sich über erwartungsvollen Dreiklangsfiguren in der Viola entspinnt. Die Synkopen lassen ein leicht aufgeregtes Herzklopfen des Gegenübers erahnen. Die Nummer 2 gerät da offensiv leidenschaftlicher. Die übermäßige, emotional in zwei Richtungen offene Quarte, die in der Melodieführung immer wieder angesteuert wird, ist angedeutete Passion. Der Rhythmus impulsiert. Herzen sprechen zueinander. In Nummer 3 nehmen sich die Sprechenden an der Hand und tanzen einen behutsamen Ländler. Auch Tanzen ist ein Dialog. Die Nummer 4 nimmt die Leidenschaft wieder auf, das Gespräch gleicht einem erregten Austausch, beide fallen einander ins Wort, die Melodie rutscht durch diverse Tonarten, der tonale Grund verschwimmt und gibt nach … und manifestiert sich doch schlussendlich. Nummer 5 spielt nach der tonalen mit der rhythmischen Verschiebung. Mit Nachsprechen, Wiederholen und Verändern. Was man wiederholt, ist nie gleich zu dem Gesagten. Eigene Worte bleiben stets eigen. Nummer 6 wiederum versucht das Gespräch in dramatische Expolarisationen zu führen.
Gemeinsame Freud, gemeinsames Leid in den Grenzen des Zusammenklangs und einer tonalen Offenheit, die in neue partnerschaftliche Richtungen weist. Denn eines ist klar: Im Unisono finden sich beide: Wir gehören zusammen, wir sprechen eine Sprache. Nummer 7 nun – ganz im Pizzicato gehalten – setzt auf Tempo. Witz, Neckerei, erst im Ergänzen. Ganzwerden. Herzzupfen. In Nummer 8 schließlich finden sich verschiedene stilistische Anleihen, am hörbarsten ist dies der Tango. Sehnsucht, Sich-Finden auch hier. Eine Reminiszenz an die Vergangenheit? Ein Wunsch für die Zukunft? Liebe.
Daniel Regener (Jahrgang 1986) hat Komposition an der Musikhochschule Freiburg studiert. Er ist außerdem Autor und arbeitet als Musikredakteur bei NDR Kultur. Mit seiner Familie lebt er in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte.