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Rückblick

Abbildungen von Künstlern, die die VG Bild-Kunst vertritt, können aufgrund der anfallenden Gebühren nur im Rahmen der Laufzeit der Ausstellung online veröffentlicht werden.

Ausstellungen 2019

meiNIBild - FreizeitKünstlerInnen aus Neubrandenburg und Umgebung | 19.12.2019 - 05.01.2020

Die Ausstellung meiNlBild findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt.
Erstmals gab es keine thematischen Vorgaben, so dass man eine breite Palette an Motiven und auch Techniken in der Ausstellung finden kann.
Zahlreiche FreizeitKünstlerInnen ab 10 Jahren aus Neubrandenburg und Umgebung zeigen ihre Arbeiten in einer juryfreien Ausstellung. Erlaubt war pro TeilnehmerIn ein Werk bis zu einer maximalen Rahmengröße von 50 x 70 cm bzw. Objektgröße bis zu 70 x 50 x 50 cm in einer beliebigen Technik: Bilder, Fotos, Objekte, Plastiken.
Es haben sich 87 Freizeitkünstler und -künstlerinnen beteiligt, von denen ein hoher Prozentsatz ein aktuelles Werk abgegeben hat, das in diesem Jahr entstanden ist.

Ursus Wehrli - Kunst aufräumen | 21.09. - 01.12.2019

Ursus Wehrli, am 13. August 1969 in Aarau (Schweiz) als Urs Wehrli geboren, ist Kabarettist, Bildender Künstler, Aktionskünstler, Linkshänder, Querdenker und gelernter Typograph.
Seit 1987 tritt er mit Nadja Sieger als Kabarett-Duo Ursus & Nadeschkin auf. Bisher hat das Duo zehn abendfüllende Programme produziert, durch die beide im deutschen Sprachraum bekannt wurden. Die Auftritte führten sie u. a. nach Zürich, Basel, Berlin und nach New York City.
Für Aufsehen sorgte Ursus Wehrli – erstmals im Jahr 2002 – mit dem Projekt «Kunst aufräumen», für das er Reproduktionen bekannter Bilder von Klee, Miró, Mondrian, Picasso, Van Gogh oder Brueghel mit der Schere zerschnitt und neu zusammensetzte – nach Farben und Formen geordnet.
Mit dem Projekt «Die Kunst, aufzuräumen», für das er reale Objekte und Szenen aufräumte, erhielt er auch außerhalb der Schweiz große Aufmerksamkeit. Neben dem Ordnen aller Bestandteile einer Schale Pommes Frites, eines Fruchtsalats oder einer Buchstabensuppe räumte er auch einen Parkplatz voller Autos (nach Farben), eine Fußballmannschaft (in nackte Männer und Kleidungsstapel) sowie eine ganze Badewiese auf. Mehrere Kunstaktionen wurden durch Filme dokumentiert.
Im Jahre 2012 gab die Schweizerische Post eine von Wehrli gestaltete Briefmarke mit einem Wert von einem Schweizer Franken heraus.
Inzwischen hat Wehrli drei Bücher publiziert, die in viele Sprachen übersetzt wurden, und in Deutschland jeweils in einem kleinen und einem größeren Format erhältlich sind: «Kunst aufräumen», «Noch mehr Kunst aufräumen» und «Die Kunst, aufzuräumen».
Für ein Memoryspiel wurden 36 zweiteilige Werke als Bildpaare auf 72 Spielkarten gedruckt. Man muss jeweils den unaufgeräumten und den aufgeräumten Teil eines Werkes zusammenführen, also der chaotischen Version die ordentliche gegenüberstellen. Eine spielerische Art, sich in die Gedankenwelt von Ursus Wehrli zu versetzen und seine Freude nachzuempfinden, wenn er das Chaos mit unterschiedlichen Maßnahmen gebändigt hat – dem Sortieren nach Farbe, Größe oder Sujet, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Ursus Wehrli stellt nun zum ersten Mal im Nordosten Deutschlands aus und präsentiert 60 Werke, darunter fünf Installationen, bis zum 1. Dezember 2019 in der Kunstsammlung Neubrandenburg. Auch der Entwurf zur schweizerischen Briefmarke ist zu sehen, dazu die Filme seiner Aktionen. Außerdem dürfen die Besucher an einem iPad auf dem Bildschirm selbst «Kunst aufräumen».

Ruprecht von Kaufmann - Die drei Prinzen von Serendip | 20.06. - 15.09.2019

Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1974, ist in Tutzing am Starnberger See aufgewachsen. Im kalifornischen Los Angeles absolvierte er ein Studium der Malerei und lebte anschließend mehrere Jahre in den USA. Seit 2003 ist er als freischaffender Künstler in Berlin ansässig. Er wurde mit verschiedenen Kunstpreisen und Stipendien bedacht und hatte 2012 bis 2014 eine Professur für Anatomie und Zeichnung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Seine Werke sind in internationalen Sammlungen vertreten. Ausstellungen führten ihn erneut in die USA, nach Israel oder Lettland. Galerien in Stuttgart und London vertreiben seine Werke. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der figurativen Malerei der Gegenwart in Deutschland.
In der Einzelausstellung in Neubrandenburg werden neben fünf Gemälden und sieben Skulpturen 13 Kohlezeichnungen präsentiert, die meisten aus dem Jahr 2018: von Kaufmann schätzt dieses Medium sehr, mit dem man das tiefste Schwarz überhaupt erzeugen kann.
Die großformatige Kohlezeichnung „Der Stierkämpfer“ hat er eigens für die Räume in Neubrandenburg geschaffen, ebenso die von der Decke herabhängende fragile mehrteilige Skulptur mit dem Titel „Buck“. Sie wurde inspiriert von den historischen Reiterstandbildern in Berlin, die Herrscher machtvoll in Szene setzten. Bei ihm hat aber das Pferd den Reiter vornüber abgeworfen, der nun im freien Fall stürzt.
Die Arbeiten von Kaufmanns sind zum Teil realistisch und zum Teil verstörend, geheimnisvoll und schwer interpretierbar. Damit erinnern sie an Filme des Regisseurs David Lynch.

Gabriele Schulz - Farbe bekennen | 14.03. - 09.06.2019

Die umfassende retrospektive Einzelausstellung der Kunstsammlung Neubrandenburg gewährt einen tiefgreifenden Einblick in das Schaffen der Künstlerin Gabriele Schulz, die 2019 ihren 70. Geburtstag feiert. 86 Exponate aus den Jahren 1969 bis 2018 zeigen die Vielfalt ihrer Motive vom Akt über das Porträt bis hin zur Landschaft und zum Katzenbild. Einen besonderen Schwerpunkt nehmen dabei die Selbstporträts ein, die von Anfang an wie ein Tagebuch immer wieder genutzt wurden, um die eigene Befindlichkeit zu schildern. Mit dieser eindringlichen Selbstbeobachtung greift sie auf, was Künstler wie Rembrandt, Max Beckmann oder Lovis Corinth vorgelebt haben: das eigene Porträt als Moment der Selbstbefragung, aber auch als Dokument, um alle Arten des künstlerischen Ausdrucks festzuhalten. Gabriele Schulz ist darin eine Meisterin. Nirgendwo wird das besser deutlich als in der grandiosen und wandfüllenden Hängung von 32 Selbstporträts im letzten Raum, ergänzt durch fünf Gemälde. Zugleich sind in diesem Raum mit Arbeiten aus den Jahren 1969 bis 2018 alle Techniken in unterschiedlichen Formaten und alle bisherigen Schaffensphasen vertreten. Lockere Kohle- zeichnungen aus wenigen Linien können bei Gabriele Schulz genauso eindringlich sein wie ein durchgearbeitetes farbenfrohes Selbstporträt. Die Ausstellung veranschaulicht, dass die Künstlerin vor allem Unikate auf Papier geschaffen hat.

Gabriele Schulz, seit 1975 in Neubrandenburg und seit 1992 auch in Roga bei Friedland ansässig, stammt aus der Kleinstadt Wittstock/Dosse im Norden des Landes Brandenburg.
Schon als Schülerin entdeckte sie das Malen und Zeichnen für sich und bereitete sich unter Anleitung von Werner Schinko auf die Aufnahmeprüfung in Dresden vor.
Für das Studium der Malerei, Grafik, Wandmalerei und Glasgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und eine pädagogische Zusatzausbildung zur Leitung von Zeichenkursen an der Pädagogischen Hochschule Dresden lebte sie viele Jahre in Sachsen.
Dort entwickelte sich auch die Freundschaft zu dem Künstler Curt Querner, der für sie zu einem wichtigen Mentor wurde, der sie in ihren Eigenarten bestärkte und ermutigte. Viele Briefe künden von dieser besonderen Freundschaft.
Nach dem Umzug nach Neubrandenburg war sie freischaffend tätig, übte aber immer wieder begleitende Tätigkeiten aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Arbeit als Universitätszeichenlehrerin und Leiterin des Zeicheninstituts der Universität Tübingen von 1992 bis 1995 zeigte ihr, wie wichtig ihr die Nähe von Familie und Freunden ist, so dass diese Phase ein Intermezzo blieb. Die Künstlerin hat ihre Mitte in Mecklenburg gefunden.
Ihre expressive Malweise in leuchtenden, meist klaren Farben verwendet sie für heimische Landschaften ebenso wie für jene, die sie auf ihren vielen Reisen erlebt. Skizzen und kleine Aquarelle vor Ort halten die Stimmung und die Landschaft fest, die sie später im Atelier in weitere Bilder umsetzt. Aquarellen, Gouache, Pastelle und Ölbilder sind sich in der Intensität der Farben nahe, wobei jede Technik ihre besonderen Reize hat. Dass sie aber auch eine begnadete Zeichnerin ist, zeigen die Exponate in Raum III.

Ausstellungen 2018

Sven Ochsenreither - Eine Art Licht | 13.12.2018 - 03.03.2019

Der 1973 im pfälzischen Landau geborene Künstler kam 1994 zum Studium der Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Theologie an die Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Nach dem Abschluss 1999 promovierte er 2002 in Kunstgeschichte. Seither ist er als freischaffender Künstler tätig und nimmt daneben seit 2010 Lehraufträge am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald wahr.
Seit 2004 lebt und arbeitet er in dem Dorf Zölkow bei Schwerin. Er hatte schon zahlreiche Einzelausstellungen, aber hier in der Kunstsammlung Neubrandenburg wird nun seine erste museale Einzelschau präsentiert.

In dieser Ausstellung mit 42 Exponaten aus den Jahren 2015 bis 2018 stammt die Mehrzahl der Exponate aus dem Jahr 2017, nämlich 19 an der Zahl.
Auf den Bildern von Ochsenreither stehen Kinder, meist Mädchen, im Mittelpunkt. Sie sind gedankenverloren, träumen oder spielen, entdecken die Welt oder sind im Dialog mit Gleichaltrigen oder einem treuen Pudel. Sie tragen Halb- oder Vollmasken mit tierischen Antlitzen und sind auf der Suche nach dem eigenen Weg.
Für den Vollblutmaler Ochsenreither spielen natürlich Farbe und Form eine große Rolle. Durch detailreiche Tapetenmuster oder Sternenhimmel im Freien präsentiert er die Dargestellten in unterschiedlichen Lichtsituationen. So changieren die Farben in vielen Nuancen und werden durch die unregelmäßige Oberfläche lebendig.
Die Haarprachten der Mädchen werden oft zu surrealen Gebilden wie einem Wolkenknäuel aus einem barocken Landschaftsbild oder einer Welle aus einem berühmten Holzschnitt des Japaners Hokusai.
Wie Künstler zu allen Zeiten lässt sich Ochsenreither auch durch berühmte Werke der Kunstgeschichte anregen. Ein Beispiel ist das hochformatige Bild ancestors l / Ahnen l, das im Hintergrund ein bekanntes Werk von Lukas Cranach dem Älteren mit Adam und Eva neu interpretiert. Davor steht ein Mädchen im Profil, das etwas scheinbar Kostbares in den Händen hält. Dieses Objekt entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Granate.

Da Ochsenreither regelmäßig im Ausland ausstellt, ist er dazu übergegangen, seinen Bildern englische Titel zu geben, die er auf der Rückseite der Rahmen notiert. Deshalb stehen diese Titel einer deutschen Übersetzung voran, wie wir sie für die Beschilderung und den Katalog gewünscht haben.

Die Ausstellung wurde am 12.12.2018  mit einer fulminanten Performance von 60 Mädchen der Tanzaktion e. V. aus Neubrandenburg eröffnet. Sie alle waren quasi „lebendig gewordene“ Protagonisten  der surrealen Bildwelten von Sven Ochsenreither.

meiNIBild - KINDERwelten | 22.11. - 02.12.2018

Dieses Jahr konnten alle FreizeitKünstlerInnen ab 10 Jahren aus Neubrandenburg und Umgebung Arbeiten zum Thema „KINDERwelten“ in einer juryfreien Ausstellung zeigen. Erlaubt war pro TeilnehmerIn ein Werk bis zu einer maximalen Rahmengröße von 50 x 70 cm, bzw. 70 x 50 x 50 cm für Objekte.
Erfreulicherweise haben sich 20 Kinder mit ideenreichen Arbeiten beteiligt. Die Vielfalt der Techniken ist bei den eingereichten 83 Kunstwerken breit gefächert: Arbeiten mit Grafit, Buntstift, Pastellkreide, Kohle, Wachsmalstift, Feder, Tusche auf Papier; Aquarelle; Gouachen; Farbholzschnitte oder Lithografien; Acryl- und Ölmalereien; Mischtechniken; Fotografien sowie Terrakotten.

Pst! GOYA Radierungen von Francisco de Goya aus der Sammlung des Freiburger Morat-Instituts für Kunst und Kunstwissenschaft | 13.09. - 11.11.2018

Der Spanier Francisco de Goya (1746 – 1828) gehört mit Albrecht Dürer und Rembrandt zu den großen Meistern der europäischen Kunstgeschichte, die graphische Techniken grandios beherrschten und weiterentwickelten. Die Kunstsammlung zeigt 60 Radierungen aus dem Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg im Breisgau., ergänzt um 11 Werke aus dem eigenen Bestand zum Thema Krieg und Sterben.

Die Inhalte der kleinformatigen Radierungen aus drei der vier herausragenden Graphikfolgen Goyas sind zeitlos aktuell. Mit seinem ersten Zyklus „Launen“ (Los caprichos, 1797 – 1798, 1799 veröffentlicht) hält Goya der Gesellschaft, dem Adel und dem Klerus einen Spiegel vor.

„Die Schrecken des Krieges“ (Los desastres de la guerra), um 1808 bis 1814 entstanden und erst 1863 nach Goyas Tod gedruckt, illustrieren die Gräuel und das Leid der Menschen in Kriegszeiten. Im hundertsten Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und vor dem Hintergrund der Kriege der Gegenwart hat dieser Zyklus eine besondere Brisanz.

In dem 1814 bis 1816 entstandenen Zyklus „La tauromaquia“ setzt sich Goya mit dem Stierkampf auseinander.

Fünf Positionen der Gegenwart. Kunstpreis der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe für Bildende Kunst in Mecklenburg-Vorpommern 2018 Sarah Fischer - Willy Günther - Pauline Stopp - Iris Thürmer - Barbara Camilla Tucholski | 10.06. - 02.09.2018

Raum I

Sarah Fischer, 1989 in Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz geboren, lebt und arbeitet seit 2008 in Greifswald. Sie zeichnet oft Alltagsgegenstände in neuen Kombinationen und setzt sich fotografisch mit Leerstellen auseinander. Die Suche nach Verbindungen zwischen den Dingen liegt im Fokus ihrer Arbeit.

In der Ausstellung präsentiert sie elf Zeichnungen und Collagen in unterschiedlichen Techniken und Größen aus den Jahren 2013 bis 2018. Diese meist zart anmutenden Blätter in fein nuancierten Schwarzweiß-Tönen zeigen ihre Sensibilität und Meisterschaft im klassischen Medium Handzeichnung, in dem sie mit ihrer Feinfühligkeit und Kreativität, mit ihrem filternden Blick und der linearen Präzision neue Ausdrucksformen findet. Scheinbar banale Alltagsgegenstände, die jeder kennt – von der Glühbirne über das Transistorradio bis hin zum Stuhl oder Fahrzeugen wie PKWs und LKWs –, werden auf ihren Kunstwerken zu poetischen Objekten in einer geheimnisvollen Welt. Sarah Fischer verleiht den Gegenständen mit wenigen Linien und Schraffuren ein verzauberndes Eigenleben.

Die Art der Präsentation und Hängung unterstützt diesen Eindruck. Ob mit Rahmen und spiegelnden Scheiben über zwei Blättern, die mit den ausgeschnittenen und aufmontierten Stücken aus Transparentpapier diese Situation widerspiegeln, ob nüchtern mit Architektenklammern oder edel mit Passepartout, in der scheinbaren Reduktion auf unbunte Arbeiten entfalten die Formen, Flächen und Grauwerte ihre künstlerische Kraft und Vielfalt. Die Vielschichtigkeit ihrer Werke zeigt sich stellvertretend in einem Blatt wie „N. kommt“ aus Zeichnung und Collage auf einem Transparentpapier über einem partiell durch Buchdruckfarbe eingeschwärzten Blatt. 

Raum VI

Willy Günther, 1937 im sächsischen Wachstedt geboren, lebt und arbeitet seit 2013 in Dambeck, Landkreis Ludwigslust-Parchim. Er malt bevorzugt mit Gouache und Tempera auf großen Papierformaten. Seine Themen sind der Mensch, die Landschaft und historische Architektur.

In der Ausstellung empfangen 13 Gouachen auf unterschiedlichen Papieren und in verschiedenen Größen den Betrachter in einer ungewöhnlichen Hängung. Die farblich sehr unterschiedlichen  Arbeiten aus den Jahren 2001 bis 2018 zeigen die kraftvolle und expressive Linienführung des ungebrochen vor Vitalität strotzenden Vollblutmalers Willy Günther. Er hat seinen Werken durch die von ihm fast zur Gänze genutzte Raumhöhe Luft gegeben, damit jedes seine eigene Ausdruckswelt ungestört entfalten kann.

Die Arbeiten spiegeln wider, was ihm alles Inspirationen verleiht: Menschen, allein und in Gesellschaft, Tiere, Pflanzen, Innenräume, Gebäude, Landschaften, Stimmungen oder Jahreszeiten. Es sind Motive aus der Lebenswelt des Künstlers, subjektiv in Farbe und Form mit großzügigen Pinselstrichen erfasst. Sie erinnern viele Mitmenschen an ihre eigene Erfahrungswelt. Als Betrachter entdecken sie aber diese dank der kräftigen Linien und der meist intensiven Farben neu für sich – die expressive Übersteigerung und Interpretation durch Willy Günther lässt die Umwelt selten kalt. Dass er auch „zarter“ malen kann, zeigt sein weiblicher Rückenakt in heiteren Gelbtönen, 2017 entstanden und als „Modell“ betitelt.

Räume II und IV

Pauline Stopp, 1989 im sächsischen Zschopau geboren, lebt und arbeitet seit 2013 in Greifswald. Sie ist eine vielseitige Künstlerin; baut Objekte und zeichnet sehr viel, auf kleine Papierblätter wie auf große Leinwände. Sie präsentiert dreizehn Kunstwerke aus den letzten vier Jahren in unterschiedlichen Techniken und Größen, die die Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens widerspiegeln: Zeichnungen, Gemälde, Wand- und Boden-Objekte, Installationen und Raum-Installationen.

Pauline Stopp geht mit wachen Augen durch die Welt. Sie sammelt und hebt im wahrsten Sinne des Wortes Gegenstände auf, die andere achtlos wegwerfen oder als uninteressant erachten. Kleiderbügel, Musikkassetten, Spielzeugfiguren, Kaugummiklumpen, Nylonstrümpfe oder Haarlocken werden durch ihre Inszenierungen zu neuem Leben erweckt: in einem dank der transparenten Kugeln luftigen Mobile, in Objektkästen oder einem rollbaren Vitrinentisch.

Kleinformatige Zeichnungen in Holzrahmen oder eine großformatige Zeichnung an fast unsichtbaren, rhythmisch angeordneten Architektenklammern zeigen das kompositorische Können in allen Formaten und verschiedenen Techniken. Die Künstlerin achtet auf jede Kleinigkeit, nichts wird dem Zufall überlassen: so verbinden Gummiringe, Handarbeitsgarne oder Menschenhaare unterschiedliche Elemente miteinander, mal übergezogen, mal kunstvoll verknotet. Nicht zuletzt spielt die Farbigkeit eine große Rolle, die meist einem gewählten Grundton untergeordnet wird.

Raum III

Iris Thürmer, 1962 in Leipzig geboren, lebt und arbeitet seit 1997 in Wolthof (Ortsteil von Glewitz). Sie arbeitet mit Chiffren, die sie aus Schriften ableitet, und seriell, sowohl im Bereich der Handzeichnung als auch in der Malerei.

Iris Thürmer konzentriert sich meist für längere Zeit auf eine Technik und wechselt   zwischen Malerei und Zeichnung, wobei beide Bereiche eng miteinander verzahnt sind. Derzeit spielt das klassische Medium der Handzeichnung die Hauptrolle in ihrem Schaffen. Sie rollt anhand von 30 Zeichnungen aus sechs Serien und Arbeitsphasen der Jahre 2014 bis 2018 die Möglichkeiten stringenter und abstrakter Kompositionen auf, die sowohl sehr luftig als auch kompakt sein können.

So gibt es Zeichnungen, in der nur ein Farbton wie Rot eingesetzt wird, Blätter mit Strichvariationen in drei Farben oder aber Werke mit einer Fläche aus unzähligen Linien in einer nicht mehr erfassbaren Farbvielfalt mit einem dominanten Gesamtklang. Die letztgenannten Blätter sind klein und fein; ihre Linien sind lebendig, weil sie von Hand gezogen sind und individuell auf nicht rechtwinkligen Blättern sitzen, deren Kanten von Hand ausgerissen wurden. Ein Statement einer Künstlerin gegen die scheinbare Perfektion maschineller Produktion, die meist seelenlos bleibt. Die Handzeichnung bleibt die Technik, in der die Befindlichkeit einer Künstlerin oder eines Künstlers unmittelbar und damit lebendig und individuell durch einen Stift auf den Bildgrund übertragen wird. Iris Thürmer ist darin eine Meisterin.  

Raum V

Barbara Camilla Tucholski, 1947 in Loitz an der Peene in Vorpommern geboren, lebt und arbeitet seit 1981 in Oevelgönne (Ortsteil von Sierksdorf) und seit 1989 parallel auch (wieder) in Loitz. Ihre Arbeit umfasst Zeichnung, Malerei, Haus- und Stadtintervention sowie Künstlerbücher.

Mit sechs Gemälden, sechs Zeichnungen und einer Installation aus den Jahren 2016 bis 2018 gewährt uns Barbara Camilla Tucholski einen Einblick in ihr künstlerisches Schaf-fen in unterschiedlichen Medien. Die ausgestellten Arbeiten spiegeln ihre Auseinander-setzung mit ihrem Geburtsort Loitz und den Stätten ihrer Kindheit wider, die sie nach Jahrzehnten fast unverändert vorfand. Dazu gehört das Reittouristikheim mit Zimmern, in denen oft die gleichen Tapetenmuster zu finden sind, unterschiedlich stark ausgeblichen, nebst Reproduktionen nach alten Meistern oder Pferdefotos. Die Tapetenmuster wie die Motive aus der Wandschmuck-Galerie malte die Künstlerin von Hand auf Leinwände. Die Einrichtungen der Zimmer brachte sie mit wenigen Bleistiftstrichen in einer unverwech-selbaren Bildsprache auf das Wesentliche reduziert zu Papier. Das Nebeneinander von opulenter Malerei, die Räumlichkeit andeutet, und spartanischer Zeichnung, die trotz angedeuteter Perspektive zweidimensional wirkt, ist in dem Buch „Das Glück dieser Erde“ als Teil der Loitzer Trilogie reproduziert und um Fotos der originalen Örtlichkeiten und um Texte erweitert: eine einzigartige Dokumentation. Die Installation mit den Stühlen, dem Tisch mit dem geblümten Wachstischtuch und der Vase mit Kunstblume setzt dem Raum das I-Tüpfelchen auf: alles Originale und originär wie die gesamte Loitzer Trilogie, die mit dem Katalogtrio im Schuber eine einzigartige editorische Leistung erbracht hat, die bundesweit ausstrahlt. 

Unterwegs - Arbeiten aus dem Museumsbestand der Kunstsammlung Neubrandenburg | 15.03. - 03.06.2018

Arbeiten aus dem Museumsbestand der Kunstsammlung Neubrandenburg

Unterwegs sein bedeutet neue Eindrücke sammeln, fremde Persönlichkeiten und ferne Länder kennenzulernen. Das Unterwegs sein befördert den Austausch mit anderen Menschen und eine Erweiterung des geistigen Horizontes, das im Idealfall zu mehr Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Lebensauffassungen führt.

Gerade auch Künstler gehen gern voller Neugier auf Reisen, um Eindrücke zu sammeln und Inspirationen zu erhalten. Die einen suchen gezielt vor Ort Motive in der Natur oder in der Stadt, die anderen lassen sich treiben, skizzieren, schreiben, fotografieren und gestalten später aus der Erinnerung heraus in ihrem Atelier Kompositionen, die das Gesehene reflektieren. Die einen sind gerne in der Ferne unterwegs, die anderen in der näheren Umgebung. Die einen sammeln Souvenirs, den anderen reichen die Erinnerungen.

Unterwegs sein heißt aber auch: Pausen machen und sich beim Essen laben oder sich mit anderen über das Erlebte auszutauschen. Man erlebt andere Menschen intensiver als im Alltag: den Einzelnen, aber auch Gruppen oder Menschenmassen.

Aus dem Bestand von über 7.500 Arbeiten wird eine Auswahl präsentiert, die nicht nur Lust auf das Abenteuer Reisen macht, sondern auch zur Entspannung vor der Schönheit von Landschaften einlädt oder den Blick auf besondere Details lenkt.

Gezeigt werden Werke in nahezu allen Techniken: Gemälde, Plastiken, Objekte, Unikate und Grafiken auf Papier und Fotografien.
Die 39 Werke von 23 Künstlern entstanden in den Jahren zwischen 1956 bis 2012.
Darunter sind auch Motive aus Neubrandenburg und Umgebung, die zeigen, dass Künstler aus der (bayerischen) Ferne vor Ort voller Begeisterung über die Weite der mecklenburgischen Landschaft oder eines der prachtvollen Backsteintore der Stadt Monotypien mit unterschiedlichen Motiven geschaffen haben.