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Theodor Rosenhauer (1901 - 1996)

Man glaubt, sie riechen zu können, fast möchte man hineinbeißen, in das, was auf der Leinwand zu sehen ist: zwei Brotlaibe, knusprig gebacken, mit aufgerissener Kruste und mehlbestäubt.

Das Gemälde „Zwei runde Brote mit Karaffe“ des Dresdener Malers Theodor Rosenhauer stellt einen Höhepunkt in der Gemäldesammlung der Kunstsammlung Neubrandenburg dar.

Ein Gemälde von Rosenhauer zu erwerben, war schon zu seinen Lebzeiten schwierig. Er verlor sein Frühwerk 1945 in Dresden und trennte sich danach nur noch selten von ihnen.

Theodor Rosenhauer ist einer der bedeutendsten Dresdener Künstler des 20. Jahrhunderts. Er studierte von 1920 bis 1924 an der Akademie für Bildende Künste in Dresden und ging danach seinen eigenständigen Weg, unberührt von Kunstströmungen und formalen Forderungen. Sein Oeuvre, meist in kleinen Formaten, besteht hauptsächlich aus Porträts, Figurenbildern, Landschaften und Stillleben.

Berühmt geworden sind seine Brotstillleben, die sich poetischen Deutungen nicht versperren und in denen die Schönheit der einfachen Dinge erlebbar ist. Rosenhauer schuf mit ihnen weltliche Ikonen.

Das Gemälde der Neubrandenburger Sammlung ist auf wenige Bildgegenstände begrenzt: Brote liegen auf einem Teller, daneben steht ein bauchiges Gefäß. Sie befinden sich auf einem dunkel gehaltenen Untergrund, einem Tisch. Plastische Farbschichten, mitunter ein Zentimeter dick aufgetragen, deuten die horizontale Struktur des Tisches und die Vertikale des Bildhintergrundes an. Das Faszinierende an Rosenhauers Gemälde ist, dass sich die Bildformen aus der pastosen Farbe herausentwickeln. Brote, Tellerrand und Gefäß haben farbige Konturen, die als Vertiefung in der Bildschicht liegen. Um diese baut sich die Malhaut plastisch auf, wirft Schatten und verlässt die Zweidimensionalität der Leinwand.

(Elke Pretzel)